Erfolgreiche Motion - Aargau kippt Frühfranzösisch

Der Grosse Rat verschiebt die zweite Fremdsprache auf einen späteren Zeitpunkt. Damit prescht der Kanton in der Deutschschweiz vor.

AZ: 1. Juli 2026 von Claudia Meier

À la fin: Zum Schluss der Grossratssitzung probte der Kanton Aargau am Dienstagabend bei 30,3 Grad im Saal den Aufstand. Mit 84 Ja- zu 51 Nein-Stimmen hiess der Grosse Rat eine Motion der SVP-Fraktion gut. Widerstand gab es von SP, Mitte, Grünen und EVP.

Nun muss der Regierungsrat die gesetzlichen Grundlagen schaffen, damit die zweite Fremdsprache nicht mehr in der 5. Klasse eingeführt wird, sondern zu einem späteren Zeitpunkt. Damit hat sich die Partei von Bildungsdirektorin Martina Bircher sozusagen gegen Elisabeth Baume-Schneider durchgesetzt. Denn die SP-Bundesrätin will das Sprachengesetz ändern und Frühfranzösisch in Deutschschweizer Primarschulen sichern.

Die SVP begründete ihren Vorstoss damit, dass die Praxis gezeigt habe, dass ein Drittel bis die Hälfte der Schülerinnen und Schüler Französisch-Lernziele nicht erreicht. Stattdessen sollten die Ressourcen in die Grundkompetenzen der deutschen Sprache investiert werden.

Regierung wollte Postulat, SVP hält an Motion fest

In der Debatte betonte Stefanie Köpfli (SVP), dass die Motion nicht definiere, ob man Englisch oder Französisch verschieben solle und auch nicht, ob in die 6. oder 7. Klasse. Der Regierungsrat zeigte sich bereit, den Vorstoss als weniger verbindliches Postulat entgegenzunehmen. Doch Köpfli hielt an der Motion fest.

Das Anliegen der Motion sei berechtigt, sagte Jürg Baur (Mitte). Doch es verdiene eine sorgfältige Prüfung. Deshalb hätte die Mitte nur eine Überweisung als Postulat unterstützt.

Anders die Grünliberalen: Jetzt brauche es einen klaren Entscheid, so Annetta Schuppisser. Man sei nicht gegen das Französisch. Doch zwei Fremdsprachen in der Primarschule überforderten die Schulkinder zulasten der Erstsprache.

Unterstützung gab es auch von der FDP. Titus Meier regte an, Französisch auch in anderen Schulfächern praxistauglich einzusetzen. Auf jeden Fall brauche es Korrekturen, wenn 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht Deutsch als Muttersprache sprechen.

Doch Französisch sei nicht nur eine Fremdsprache, sondern eine Landessprache, merkte Lutz Fischer (EVP) an. «Wir müssen über den Rösti-Graben Brücken bauen.» Seine Fraktion lehnte den Vorstoss ab.

Aktuell unterscheide sich die Fremdsprachendidaktik an der Volksschule nicht gross von einem Sprachkurs an der Migros-Klubschule, fügte Julia Grieder kritisch an. Die Grüne macht sich für einen Mehrsprachunterricht stark.

Bildung Aargau hat Fragen zur Umsetzung

Dass man an der Unterrichtsform arbeiten muss, ist auch für Colette Basler (SP), die Präsidentin von Bildung Aargau, klar. Die Mehrheit der SP-Fraktion lehnte jedoch sowohl die Motion als auch das Postulat ab.

«Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Sprachen lernen im frühen Kindesalter einfacher geht als zu einem späteren Zeitpunkt. Leider reicht die Lektionendotation für ein Sprachbad nicht. Auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für gelingendes Lernen einer zweiten Fremdsprache in der Primarschule sind im Kanton Aargau nicht gegeben», so Basler. Sie hat einige Fragen zur Umsetzung des SVP-Vorstosses.

Bildungsdirektorin Martina Bircher erwähnte das Projekt Frühförderung Deutsch und betonte: «Wir wollen keine Sprachen schwächen, sondern sie stärken.» Am 12. Juni schlug sie mit dem Richtungsentscheid der Regierung zum Strategiepaket Sprache bereits gezielt einen Pflock gegen Bundesrätin Baume-Schneider ein. Am Dienstag hat das Parlament diesen Aufstand besiegelt.

Stefanie Köpfli

Grossrätin im Kanton Aargau - Politische Seite einer SVP Frau im Grossen Rat.

https://www.Stefanie-kopfli.com
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